Im Jahre 1865 legte der Kaufmann Heinrich Haas dem damaligen Erkelenzer Bürgermeister Rinkens die erste Satzung der Städtischen Freiwilligen Feuerwehr vor, die von der Königlich-Preußischen Regierung anerkannt wurde. Haas wurde von Kaiser Wilhelm II ausgezeichnet. Damit war – etwa zeitgleich mit der Gerderhahner Feuerwehr - die erste Feuerwehr im Landkreis Erkelenz gegründet. Dieses Gründungsdatum ist nicht nur daher bemerkenswert, weil es eine neue Epoche des zuvor unterrepräsentierten Feuerlöschwesens im Erkelenzer Land einleitete. Das Gründungsdatum der Städtischen Freiwilligen Feuerwehr liegt zudem nur zwei Jahrzehnte nach dem der ältesten deutschen Freiwilligen Feuerwehr in Karlsruhe-Durlach. Dem Beispiel folgten 1887 Wegberg, 1894 Moorshoven, 1896 Lövenich sowie zur Jahrhundertwende Borschemich, Keyenberg, Klinkum und Venrath. Am 4. Oktober 1905 ging von Erkelenz die Gründung des Kreisfeuerwehrverbandes des Kreises Erkelenz aus. Heinrich Haas, der Gründer der Erkelenzer Feuerwehr, wurde der erste Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbandes.

Anstoß zur Bildung einer Feuerwehr dürfte nicht zuletzt der Brand des Erkelenzer Lambertiturmes gewesen sein. Nach zwölfstündigem Kampf konnte die Bürgerschaft mit einer Eimerkette den durch Blitzschlag entzündeten Turmhelm retten und damit die Kirche vor der Vernichtung durch die Flammen bewahren. Damals zählte Erkelenz rund 2150 Einwohner. Etwa 330 Wohnhäuser mit überwiegend gewerblichen und wenigen bäuerlichen Anlagen säumten in nahezu geschlossener Bebauung die Straßen. Dennoch hatten sich so verheerende Stadtbrände, wie die von 1540 und 1686 im 18. und 19. Jahrhundert nicht wiederholen können, weil die meisten Bauten inzwischen aus Ziegelstein erbaut worden waren.

Schon die Gründer der Erkelenzer Feuerwehr stellten den Einsatz einer geschulten Mannschaft und das rechtzeitige Heranschaffen von Löschwasser zur Brandstelle als wesentlich heraus. So wurden damals zwei fahrbare Wasserzubringer, eine neue Spritze, Leitern und Uniformen angeschafft. Im Spritzenhaus am Markt - es wurde 1926 abgerissen - befanden sich die Feuerlöschgeräte: Druckspritze, Schläuche aus Hanf und Leder, Leitern, Feuerhaken und Brandeimer. In Erkelenz gab es im 19. Jahrhundert noch insgesamt fünf Brandweiher. Als die Stadtgräben zugeschüttet wurden, hielt man jedoch Brandpfühle offen. „Doch da es damals in Erkelenz nicht brennen wollte“, erlahmte das Interesse an der Feuerwehr wieder.

Erst zur Industrialisierung der Stadt um 1900 kam neues Leben in diese Gemeinschaft. Im Jahr 1895 stieg die Bevölkerung auf 2300 an. Die harmonische Zusammenarbeit zwischen Stadt und Wehr war dabei damals wesentlich für die weitere Entwicklung der 36 Mann starken Feuerwehr. Die Ausrüstung wurde ständig verbessert. So übergab ihr 1892 die Stadt eine moderne Beduwesche Saug- und Druckpumpe. Nachdem das Hydrantennetz hergestellt und die Wehr mit den entsprechenden Standrohren ausgerüstet war, konnte Leitungswasser zum erstenmal beim Brand der Brauerei Aretz am 03. September 1903 in der Südpromenade erfolgreich eingesetzt werden.

Im Jahr 1908 trat Heinrich Haas nach fast 50jähriger ehrenamtlicher Tätigkeit von der Leitung der Städtischen Freiwilligen Feuerwehr zurück. Seine Nachfolge trat der damalige Erkelenzer Polizeikommissar Alfred Stephan Johnen an.

Bedingt durch die Entwicklungen des Ersten Weltkrieges wurden auch in der Feuerwehr Lücken erkennbar - die meisten der 50 Mitglieder waren im wehrpflichtigen Alter und wurden bald eingezogen - die jedoch schon 1919, nach dem verlorenen Krieg durch die zunehmende Bereitschaft der Erkelenzer Einwohner zur tätigen Mithilfe geschlossen wurden. Ende 1919 hatte die Städtische Freiwillige Feuerwehr schon eine Stärke von 42 Mitgliedern.

Heinrich Haas

Heinrich Haas, Gründer der Erkelenzer Feuerwehr

Mannschaft 1926

Mannschaftsfoto von 1926

Im Rahmen der immer umfassender werdenden Brandprävention wurden 1922 im Stadtzentrum drei Feuersirenen und bei der Bohrgerätefabrik Wirth & Co. eine Sirene installiert. Am 08. Mai 1927 bei einem Brand in Bellinghoven erfüllten sie ihren ersten Dienst.

1926 erlebte Erkelenz während der 600-Jahr-Feier ein glanzvolles Kreis-Feuerwehrverbandsfest, auf dem die Städtische Freiwillige Feuerwehr unter der Leitung von Polizeikommissar Gerhard Bocken, öffentlich ihr Können und ihre Stärke präsentieren konnte. 1928 wurde ein neues Spritzenhaus erbaut und die erste Motorspritze wurde angeschafft. Aber bald darauf senkten sich mit der Weltwirtschaftskrise und dem Aufkommen des Nationalsozialismus Schatten über die Erkelenzer Wehr. Das nationalsozialistische Gesetz über das Feuerlöschwesen vom 15. Oktober 1933 bedeutete einen bitteren Eingriff in das traditionelle Leben der Feuerwehr. Der Vereinscharakter musste aufgegeben werden, die beliebten Kreis-Feuerwehrverbandsfeste fielen weg oder wurden in Parteiveranstaltungen verfälscht. Der von der Erkelenzer Feuerwehr mitbegründete Kreis-Feuerwehrverband musste aufgelöst werden. Dennoch erlebte die Feuerwehr unter Brandmeister Matthias Coenen einen beachtlichen Zustrom an Mitgliedern, begründet durch die Hoffnung, damit dem Beitritt in eine nationalistische Organisation ausweichen zu können. Bei Kriegsausbruch am 2. September 1939 zählte die Erkelenzer Wehr stolze 65 Mitglieder, eine nie wieder erreichte Zahl.

Diese schmolz jedoch im Verlauf des zweiten Weltkrieges rasch wieder, was zur Folge hatte, dass die Hitlerjugend und der BDM (Bund deutscher Mädel) der Stadt Erkelenz das Feuerlöschwesen übernahm.

Durch Brandbombeneinwirkung – die schon zur Zestörung des Dachstuhls des alten Rathauses und des darin untergebrachten Heimatmuseums (1940) geführt hatten – wurde 1944 im Rahmen der Verwüstung der ganzen Stadt auch die gesamte Feuerwehrausrüstung vernichtet.

Im Jahre 1945 nach der deutschen Kapitulation, ordnete die Militärregierung am 24. August an, dass die Feuerwehren im Kreis Erkelenz wieder einsatzfähig gemacht werden sollten. Nachdem zunächst drei Leute dem Aufruf folgten, konnte man bald auf 15 Männer in der Städtischen Freiwilligen Feuerwehr zurückgreifen. Geräte wurden zusammengetragen und angeschafft. Brandmeister Matthias Coenen gelang es die Gemeinschaft neu zu formen und mit den notwendigsten Geräten auszurüsten. Eine neue Motorspritze konnte angeschafft werden, und aus Wuppertal kehrte eine ältere, dorthin gegen Kriegsende verschleppte Spritze, in die Stadt zurück. Somit verfügte man nun über insgesamt 3 Motorspritzen von je 800 L Wasserförderung pro Minute. Wichtig war damals zudem, dass die Wehr 500 Meter Schlauch erhielt. Ein Geräteverzeichnis der Wehr von 1949 weist neben den Motorspritzen 2 Motorfahrzeuge, 1 mechanische Leiter von 12 m Länge, 3 Hakenleitern, 2 Schiebeleitern, 2 km Schlauch sowie Stand- und Strahlrohre und 2 Schaumrohre auf.

Nach Coenens tödlichem Arbeitsunfall beim Bau der Pfarrkirche im Jahre 1950 übernahm der Dachdecker und Oberbrandmeister Gottfried Schmidt bis 1974 die Leitung der Städtischen Freiwilligen Feuerwehr Erkelenz, in die er selbst bereits am 5. Juli 1925 eingetreten war.

BM Coenen

Brandmeister Mathias Coenen

Mannschaft 1965

Mannschaft 1965

Nach der kommunalen Neugliederung 1972 wurde man Bestandteil der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Erkelenz als Löschzug in der Innenstadt Erkelenz-Mitte. 1974 bis 1976 führte Oberbrandmeister Günter Babbel die Gemeinschaft, im Anschluss bis 1980 Hauptbrandmeister Walter Recker. Es folgte Hauptbrandmeister Udo Wolters, der 1997 von Stadtbrandinspektor Klaus Peters abgelöst wurde. Nach Brandinspektor Kurt Rütten (2002-2005) und Brandoberinspektor Dirk Hartmann (2005-2008) trägt nun seit Anfang 2009 Hauptbrandmeister Werner Heinen die Verantwortung über die heute 34 Mann (und Frau) starke Truppe.

Nun blickt die Löscheinheit bereits auf 150 Jahre praktizierte Nachbarschaftshilfe unter dem noch heute geltenden Wahlspruch „Retten – Löschen – Bergen – Schützen“ zurück. Das bedeutet stetige Einsatzbereitschaft zur Unterstützung derer, die Hilfe benötigen. Zur Zeit ermöglichen drei Großfahrzeuge (Löschgruppenfahrzeug, Hilfeleistungslöschfahrzeug und Drehleiter) , zwei Gerätewagen (Kleineinsatzfahrzeug, Gerätewagen Logistik) ein Einsatzleitwagen und ein Mannschaftstransportwagen sowie ergänzende maschinelle Ausrüstung schnelle Hilfe bei Unglücks- und Notsituationen.

Es ist insbesondere zu berücksichtigen, dass es sich bei der traditionsreichen Einheit Erkelenz-Mitte nach wie vor um eine „Freiwillige Feuerwehr“ – und nicht wie oft angenommen um eine „Berufsfeuerwehr“ - handelt, die im Dienste der Mitbürger zu jeder Tages- und Nachtzeit ihren Dienst ausübt!

In diesem Sinne: „Gott zur Ehr’, dem nächsten zur Wehr!“